Leicht, beweglich, wirksam

Leicht beweglich wirksam

Leicht, beweglich, wirksam

– wie Luftballons neue Prozesse in Coaching, Beratung & Supervision eröffnen

Was schafft Nachhaltigkeit, erleichtert den Transfer in den Alltag und macht Beratung auf besondere Weise wirksam? Oft sind es gerade die einfachen Dinge, die überraschend viel in Bewegung bringen. Alltagsmaterial lädt dazu ein, aus dem reinen Gespräch herauszutreten und mit Wahrnehmung, Erinnerungen und Bewegung in Kontakt zu kommen. So entsteht Raum für Kreativität, Leichtigkeit und ein spürbares Ankommen im Hier und Jetzt. Gerade in einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz vieles beschleunigt, bleibt diese unmittelbare, sinnliche Erfahrung ein besonderer Mehrwert.

Einsatz von Alltagsmaterial als Impuls für nachhaltige Veränderungsprozesse

Ein wunderbares Beispiel dafür ist der Luftballon. Greifen Sie zu und wählen Sie einen in Ihrer Lieblingsfarbe.

Im Folgenden finden Sie drei Impulse aus der Gestaltarbeit, Impacttechniken, Somatic Experiencing und systemischen Ansätzen. Sie lassen sich leicht in Coaching, Beratung, Supervision oder Gruppen einsetzen und unterscheiden sich in Intensität und Zielsetzung. Bereits das Auswählen und Berühren eines Luftballons kann Erinnerungen wecken, Körperempfindungen aktivieren und erste Bewegungsimpulse entstehen lassen. Vielleicht sind Sie beim Lesen bereits mittendrin.

1. Einstiegsmetapher: „Die Qual der Wahl“ – Entscheidungen sichtbar machen

Einsatzmöglichkeit: Einstieg in Coaching und Supervision, Entscheidungsprozesse sowie festgefahrene Problemsituationen.

Impuls:

  • Laden Sie ein: „Wählen Sie einen Ballon in Ihrer Lieblingsfarbe und halten Sie ihn einen Moment in beiden Händen. Sie haben bereits eine Entscheidung getroffen – wie war das für Sie?“
  • Bitten Sie anschließend, den Ballon langsam zu dehnen und zu ziehen. Lenken Sie die Aufmerksamkeit auf Hände, Material, Körperempfinden und auftauchende Erinnerungen. Fragen Sie nach möglichen Bezügen zum Alltag.
  • Lassen Sie den Ballon weich aufblasen und verknoten. Erkunden Sie anschließend über Druck, Halten, Balancieren und Bewegung, welche Gedanken, Gefühle oder Impulse entstehen. Fragen Sie abschließend: „Wenn dieser Ballon für eine Fähigkeit stünde, die Sie im Alltag gerade brauchen – welche wäre das?“

Weiterführende Fragen:

  • Was fällt Ihnen hinsichtlich Aufmerksamkeit und Achtsamkeit auf?
  • Wenn Sie mit jemandem in Kontakt gehen würden – wie könnte das aussehen?

2. Gefühle wie Wut, Mut und Spannungsregulation im Tun erkunden

Einsatzmöglichkeit: Differenzierung von Gefühlen, Spannungsregulation sowie Förderung von Körper- und Selbstwahrnehmung.

Impuls:

  • Halten Sie den Ballon vor dem Bauch oder vor dem Körper und erkunden Sie durch dosierten Druck unterschiedliche Spannungsstufen – von Anspannung über Ärger bis hin zu Wut. Fragen Sie: Was verändert sich im Körper? Wohin richtet sich die Aufmerksamkeit? Was gerät dabei aus dem Blick?
  • Legen Sie den Ballon anschließend zwischen Rücken und Stuhllehne und geben Sie bewusst Gewicht ab. Erkunden Sie, wie viel Loslassen möglich ist und welche Körperempfindungen oder Gefühle dabei entstehen.
  • Für das Thema Mut wird der Ballon klein und weich aufgeblasen. Laden Sie dazu ein, sich vorsichtig daraufzusetzen und mit der Gewichtsverlagerung zu experimentieren. Fragen Sie: Was braucht es dafür? Worauf sind Sie im Moment stolz?
  • Lassen Sie den Ballon anschließend mit Energie in die Luft steigen. Erkunden Sie Assoziationen, Bilder, Gefühle und mögliche Bezüge zum Alltag – etwa Leichtigkeit, Wut, Loslassen, Kraft oder Freude. Im Gruppensetting kann zusätzlich reflektiert werden, wie sich dadurch die Stimmung im Raum verändert.

3. Vom Kontakt zum Wir-Gefühl

Einsatzmöglichkeit: Förderung von Vertrauen, Kooperation, Achtsamkeit und gemeinsamem Erleben in Dyaden, Teams und Gruppen.

Impuls:

Schritt 1

Zwei Personen halten einen Ballon zwischen ihren Schultern und bewegen sich gemeinsam langsam durch den Raum. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf Nähe, Atmung, Abstimmung und Körperwahrnehmung.

Fragen:

  • Was gelingt leicht?
  • Was braucht es, damit der Kontakt bestehen bleibt?

Schritt 2

Je zwei Paare bilden eine Vierergruppe und setzen die Bewegung fort.

Fragen:

  • Was verändert sich durch die größere Gruppe?
  • Welche Fähigkeiten werden jetzt besonders wichtig?

Schritt 3

Die gesamte Gruppe bildet eine gemeinsame Kette und bewegt sich weiter durch den Raum. Kleine Hindernisse oder Richtungswechsel können zusätzliche Dynamik erzeugen.

Reflektieren Sie anschließend:

  • Wie verändert sich Zusammenarbeit von der Zweierkonstellation bis zur Gesamtgruppe?
  • Welche Ressourcen und Muster werden sichtbar?
  • Woran erkennen Sie, dass diese auch im Alltag wirksam sind?
  • Was könnte zusätzlich hilfreich sein?

Variation

Im Familiensetting kann zusätzlich erkundet werden, wie unterschiedliche Körpergrößen, Verantwortung, Kompromisse und kleine Missgeschicke – etwa das Fallenlassen des Ballons – erlebt werden. Gerade darin zeigen sich häufig alltagsnahe Muster von Kooperation, Kommunikation und Selbstregulation.

Vertiefende Literatur

  • Supervision im BildBarbara Kitzmüller, Eva Kargl & Julia Christl: Supervision im Bild. Einfach erklärte Supervisionsmethoden in Text und Bild. Verlag tredition.
  • Kompetenzbox ImpacttechnikenFrank Niehues & Ghazal Benaguid: Kompetenzbox Impacttechniken. Junfermann Verlag.
  • Krimskrams und Co.Frieder Bergmann & Barbara Bergmann: Besondere und alltägliche Gegenstände in der Kindertherapie und Elternberatung. Verlag modernes lernen, Band 1 und 2.

Hinweis

Weitere praxisnahe Methoden und Interventionen vermittle ich kompakt im Rahmen der Online-Morgen- und Abendimpulse der AGB-Akademie, beispielsweise im Seminar „Kreative Methoden 3 – Impactmethoden nachhaltig einsetzen“.

Seminar: Kreative Methoden 3 – Impactmethoden nachhaltig einsetzen

Mag. Barbara Kitzmüller

eine Stimme für mehr Gelassenheit im Familien- und Beratungsalltag

Barbara Kitzmüller ist erfahrene Pädagogin, Supervisorin und Lebens- und Sozialberaterin mit Schwerpunkt auf Familien- und Erziehungsthemen. Sie leitet seit 2007 Seminare und Fortbildungen (u. a. bei AGB) in den Bereichen GESTALTpädagogik, Supervision, Eltern-/Familienberatung und Coaching.
In ihrer Arbeit verbindet sie alltagstaugliche Impulse mit systemischer und körperbezogener Methodik (z. B. Somatic Experiencing®) . Ihr Fokus: Menschen befähigen, Veränderung zu gestalten – nicht theoretisch, sondern gemeinsam und lebendig in der Praxis.