Schreiben als Werkzeug für mehr Selbstwirksamkeit

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Schreiben als Werkzeug für mehr Selbstwirksamkeit

4 effektive Übungen für jedes Zeitbudget

Schreiben ist viel mehr als das Niederschreiben von Informationen und Wissen. Es ist (unter anderem) ein faszinierendes und kraftvolles Werkzeug zur Selbsterforschung, Selbsterkenntnis und vor allem zur Selbstwirksamkeit, das ist mittlerweile erwiesen. Schreiben fördert die persönliche Weiterentwicklung, verhilft zu mehr Klarheit und führt zu innovativen und nachhaltigen Veränderungen und Lösungen.

Im Folgenden habe ich vier Methoden zusammengestellt, die die eigene Selbstwirksamkeit erhöhen – im beruflichen wie privaten Alltag. Du brauchst dazu lediglich Stift und Papier und ein paar Minuten Zeit (zwischen 2 und 20).

 

 1.  Der 2-Minuten-Sprint (Zeitaufwand: 2 Minuten)

Ein Gedankensprint ist ein kurzes, schnelles und freies Schreiben für dich selbst. Du nimmst dir Stift und Papier, hast eine Frage oder ein Thema im Kopf und legst los: Schreib alles nieder, was dir dazu gerade in Kopf und Herz herumschwirrt. Gerne durcheinander und fehlerhaft (Grammatik- und Rechtschreibregeln sind irrelevant), es liest ja niemand außer dir. 😉

Nach 2 Minuten stoppe und lies noch einmal, was du geschrieben hast. Finde eine Essenz (ein Wort, einen Satz), vlt ist es schon eine Antwort auf deine Frage. (Wenn nicht, schreib beim nächsten Mal mit deiner Essenz weiter.)

Hilfreiche Fragen können z.B. sein:

  • Was würde mein zukünftiges (bestes) Selbst in dieser Situation tun?
  • Wofür wäre mein zukünftiges Ich mir dankbar?
  • Was würde eine Person, die ich sehr schätze (Vorbild, Mentor*in, Lieblingstante…) mir zu diesem Thema sagen oder raten?

2. Die „Magic 5“ (Zeitaufwand: 5 Minuten)

5 kurze Fragen, die du am besten abends beantwortest:

  • Wofür bin ich heute dankbar?
  • Worauf bin ich stolz? Was ist mir (besonders) gut gelungen?
  • Was durfte ich heute lernen?
  • Worauf freue ich mich morgen?
  • Welches Motto, welchen Leitstern setze ich mir für morgen?

Wer diese Übung täglich macht wird bald bemerken, wie der Fokus auf das Positive immer stärker und selbstverständlicher wird und die Tage sich mehr und mehr nach den eigenen Bedürfnissen und Wünschen gestalten lassen.


3. Probehandeln am Papier (Zeitaufwand: 10 Minuten)

Wenn eine schwierige Situation vor uns liegt, kann es hilfreich sein, diese am Papier vorwegzunehmen. Dabei malst du dir gedanklich (und schreibend) aus, wie die Situation nach deinen Wünschen abläuft. Schreibe konkret und unter Einbezug aller Sinne nieder, was vor deinem inneren Auge auftaucht, was geschieht, wie die Beteiligten reagieren und vor allem, wie du dich fühlst, während und nachdem du die Situation bestmöglich gemeistert hast.

Im Anschluss sammle in einer Liste alle Ressourcen und deine „Superkräfte“ ein, die dir geholfen haben, die Situation zu meistern. (Und dann geh und handle danach! 🙂

4. Papiergespräch (Zeitaufwand: 20 Minuten)

Papiergespräche helfen u.a. dabei, Ambivalenzen und Konflikte zu lösen. Man kann damit unter anderem

  • (echte) Gespräche vorbereiten,
  • Konflikte bearbeiten,
  • mit inneren Anteilen oder Körperteilen sprechen,
  • das innere Team miteinander kommunizieren lassen,
  • mit der eigenen Herzensstimme, der Seele oder Körperteilen sprechen.

Einige Beispiele:

Du kannst ein bevorstehendes (Konflikt-)Gespräch am Papier vorwegnehmen, die eigenen Handlungs- und Reaktionsmöglichkeiten gefahrlos ausloten und dich damit optimal vorbereiten.

Oder du führst ein Papiergespräch mit deiner Angst oder einem anderen inneren Anteil, der dir und deinem Vorankommen gerade im Wege steht. Was braucht dieser Anteil, um dich in Ruhe zu lassen und/oder sich zu einem unterstützenden Anteil zu verwandeln?

Ein Papier-Gespräch mit einer Ressourcen-Person vertieft den Impuls von Übung 1 („Was würde eine Person, die ich sehr schätze, mir in dieser Situation raten?“): Schreibe einen Dialog mit dieser Person und stelle ihr all deine Fragen zu einem Thema, das dich gerade beschäftigt. Als Variante dürfen sich auch mehrere solcher Ressourcen-Personen sich zu einer schriftlichen Diskussion versammeln.

Je öfter du diese und ähnliche Übungen machst, desto mehr wird dein Gehirn sich auf die Ressourcen in dir und deinem Leben ausrichten. Du wirst und bleibst selbstwirksam!

Tipp für Coaches und Berater*innen:

All diese Übungen können auch als Methode in Coaching und Beratung genutzt werden – entweder als kurze Intervention zwischendurch oder als Impuls bzw. „Hausübung“ bis zur nächsten Stunde.
Hinweis: Mehr solcher Methoden und viel Know-how rundherum vermittle ich im (Online-)Seminar: „Kreatives Schreiben in Coaching, Beratung und Begleitung“)

Vertiefende Literatur: 

Buchtipp: Alexandra Peischer: Versuchen Sie’s mal mit Schreiben! (Carl-Auer-Verlag)

Hörtipp: Podcast-Folge über das Buch und Schreiben als Methode im Coaching.

Alexandra Peischer
liebt es Menschen zu begleiten und zu inspirieren – in Trainings, Coachings, beim Schreiben oder mit Yoga. In ihren Seminaren sowie im Lehrgang „Schreibagogik – Schreiben(d) begleiten“ gibt sie ihr Wissen und ihre Begeisterung rund ums Schreiben weiter. Viel Inspiration und zahlreiche Schreibimpulse findest du auf ihrer Website www.schreibraum.com.