Verbunden statt getrennt

AGB Seminare Hände im Wald Outdoorlehrgang lehrgang erlebnispädagogik

Verbunden statt getrennt

Warum Beziehung zur Natur mehr verändert als Kontrolle

Wir sprechen oft von „Umwelt“, als wäre sie etwas, das uns umgibt – nicht etwas, das wir sind. Dabei bestehen wir zu großen Teilen aus Wasser, atmen dieselbe Luft wie alle Lebewesen und leben von dem, was Erde, Licht und Klima hervorbringen. Trotzdem hält sich die Vorstellung, Natur sei ein Außenraum, den wir gestalten oder beherrschen.

Diese Distanz ist kulturell eingeübt. Manche sehen den Menschen an der Spitze einer Hierarchie. Andere, darunter viele indigene Gemeinschaften, betonen das Gleichgewicht zwischen allen Lebewesen. Wer aufmerksam durch den Wald geht, spürt, dass diese zweite Sicht der Realität näherkommt: Die Sinne öffnen sich, Geräusche und Düfte tauchen auf, der Körper verbindet sich mit dem Weg. In solchen Momenten fühlt man sich als Teil des Ganzen – und dieser Zustand weckt Verantwortung.
(Quelle: Alberto Acosta, Buen Vivir, 2012)

Beziehung statt Beherrschung
Ein Perspektivwechsel liegt im Kern: Die Welt ist kein Objekt, sondern ein Netz des Lebens. Beziehung entsteht, wenn wir zuhören statt kontrollieren. Dann rückt nicht mehr die Frage „Was kann ich nutzen?“ in den Vordergrund, sondern „Wie kann ich beitragen?“. Buen Vivir knüpft daran an und lädt ein, das Gleichgewicht zwischen Mensch, Gemeinschaft und Erde wiederzufinden – nicht durch Entzug, sondern durch Verbindung.

Erfahrung macht den Unterschied
Philosophie wirkt nur, wenn sie erlebt wird. Methoden wie Wandergogik, Waldbaden und Theaterpädagogik öffnen genau solche Erfahrungsräume. Beim Gehen entsteht Resonanz: mit dem eigenen Rhythmus, der Landschaft und der Gruppe. Im Waldbaden vertieft sich dieses Spüren; Achtsamkeit wird zur Beziehung. Theaterpädagogik bringt das Erlebte in Ausdruck und macht Verbundenheit sichtbar.

Alle drei Wege führen von der Idee zur Erfahrung, vom Ich zum Wir. So wird Beziehung statt Beherrschung zu einer Haltung, die sich im Alltag entfalten kann – Schritt für Schritt, Atemzug für Atemzug.

Methodenvorschläge



1. Der hörende Weg

Eine Gruppenwanderung in Stille, jeweils zu zweit. Eine Person spricht über eine persönliche Frage („Was bedeutet gutes Leben für mich?“), die andere hört nur zu – ohne zu reagieren. Nach 15 Minuten wird getauscht. Anschließend kurze Reflexion im Kreis: Was geschah im Zuhören? Wie verändert Bewegung das Gespräch?

2. Baumbegegnung

Im Wald sucht jede Person „ihren“ Baum, berührt, betrachtet, lehnt sich an, bleibt zehn Minuten still. Danach beschreiben die Teilnehmenden den Baum aus dessen Perspektive: Was sehe ich, was spüre ich, was brauche ich?
Im Plenum Austausch über Wahrnehmung, Projektion, Beziehung zur Natur.

3. Standbild des guten Lebens

Theaterpädagogische Methode: Kleingruppen formen aus ihren Körpern ein Standbild zum Thema „gutes Leben“. Danach betrachten die anderen das Bild und interpretieren, was sie sehen. In einem zweiten Durchgang verändert jede Gruppe ihr Bild – vom „aktuellen Zustand“ hin zum „Buen Vivir“.
Anschließend Gespräch: Welche Veränderungen waren nötig, um Balance zu schaffen?

Theaterpädagogik braucht Erleben: Die Verbindung zur Natur stärkt Wahrnehmung, Präsenz und Körperbewusstsein – zentrale Grundlagen für jede theatrale Arbeit in unseren AGB-Seminaren.

Michael Gruber-Schilling und Lisa Kolb Mzalouet

 

Die AGB-Seminare von Michael Gruber-Schilling und Lisa verbinden Theaterpädagogik, Naturerfahrung und achtsame Gruppenarbeit: körperlich, kreativ, praxisnah – ein Lernraum, in dem Präsenz, Beziehung und Ausdruck zentral sind.